Der Weg ist das Ziel

Von Mirjam Mehnert

Wir haben dieser Tage einen Adventkalender als Familie gespielt. Es war einer dieser Exit-Rätsel-Kalender. In jedem Kästchen gab es eine Zeitreise zu einem besonderen Ort, zu Einstein und den Gebrüdern Grimm, zu Johannes Gutenberg, zur Titanic und auch zu den drei Weisen unterwegs mit ihren Kamelen. Unser Sohn hat herzlich über die drei gelacht, denn sie stellten sich in der beschriebenen Adventkalendergeschichte Fragen wie: „Kannst du nicht schneller laufen, sonst kommen wir erst am 06. Januar an!“ oder: „Wo sind die Babysandalen? Wenn wir sie nicht finden, müssen wir die Myrrhe verschenken!“

Nun, vielleicht waren die drei auf ihrer Reise nicht ganz so verpeilt. Immerhin handelte es sich um kluge, vorausschauende Männer. Seit Wochen oder Monaten hatten sie die Gestirne studiert, alte Bücher gewälzt, ihre Reise vorbereitet. Warum ihnen das so wichtig war, wissen wir nicht. Möglicherweise lag es an der besonderen Sternkonstellation, die die Geburt eines ganz besonderen Königs anzeigte.

Da ist er – der Gott, der unsere Lebensrealität aufnimmt und sich auf unserem Weg zu uns gesellt. Drei Astrologen, Magier deuten die Sterne!!!  – und finden Gott auf dem Wege. Warum macht Gott das? Hätte er das nicht jemandem zeigen können, der etwas „gottesfürchtiger“ gewesen wäre? Unser kleines Denken erfasst Gott eben nicht. Gott ist gar nicht der in unsere Formen gepresste Allmachtsentwurf. Gott setzt sich über diese Konvention hinweg, weil er ein Gott aller Menschen ist. Und um sich zu zeigen, nimmt er eben erst unsere Lebenswelt auf, wie sie ist.

Da reisen die Weisen, die Könige, die Magier – wer auch immer sie sind – los, um dem neugeborenen König zu huldigen. Sie folgen einer Sternkonstellation. So viel haben sie gelesen, so viel Erfahrung steckt darin, so viel sorgfältige Berechnung und Vorbereitung. Und dann das: Sie landen im falschen Palast und bringen damit den Gottessohn in höchste Gefahr. 

Für sie ist ganz klar: Ein König wird in einem Palast geboren. Fehlanzeige. Aber immerhin spitzen die im Palast ordentlich die Ohren und wälzen auch die Bücher. Und die nehmen das richtige Buch zur Hand. Die Ach-so-Weisen werden ganz naiv Opfer einer Intrige, landen daraufhin aber wenigstens am richtigen Ort – im Stall von Bethlehem. Am Ende finden sie, was sie suchen. An einer anderen Stelle, als sie ursprünglich dachten und ganz anders, als sie erwarteten, aber sie werden fündig. Manchmal ändert Gott nur die Richtung oder unseren Blickwinkel, nicht das Ziel. Manchmal sind wir eben bloß nicht auf dem richtigen Weg, haben den falschen Kompass oder suchen am falschen Ort. Vielleicht stellen wir uns das gesuchte Ziel eben auch anders vor. So viele Möglichkeiten, und glauben Sie mir: Gott hat immer noch eine mehr. 

Am Ende wendet Gott auch den sicheren Tod des Neugeborenen ab, weil die Astrologen nun einen anderen Blick auf die Dinge haben. Sie hören auf den Gott, der zu ihnen in ihren Träumen spricht, wo er sie erreichen kann: Sie erfassen deren Bedeutung. So wird der geänderte Heimweg auch zum Zeitgewinn für die Familie im Stall, um in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vor dem wütenden König mit Kindsmordplänen zu fliehen. Gottes Wege sind vielleicht nicht immer das, was wir uns vorgestellt haben, aber wir kommen ans Ziel, vielleicht mit weniger Kollateralschaden, als wenn wir unsere eigenen Wege gehen. Wer weiß, vielleicht ist ja auch Ihr Weg (oder meiner?) so einer, der sich erst am Ziel als der richtige erweist, aber anfangs seltsam aussah?

Einen Versuch, Gott nach der Richtung zu fragen, lohnt sich jedenfalls. Vielleicht können wir uns manchen Umweg und manch späte Erkenntnis oder Reue sparen.  

Das Ende eines Traums

Von Johannes Vollmer

Schon in meiner Kindheit entdeckten meine Eltern meine Liebe zur Musik. Sie förderten das und ließen mich ein Musikinstrument lernen. Ich entschied mich für die Gitarre und bekam Unterricht.
Im Laufe der Jahre wuchs in mir immer mehr der Wunsch, mich intensiver damit zu beschäftigen und es später auch zu meinem Beruf werden zu lassen. Um in dieser Richtung weiter zu kommen war die Ausbildung im Fach Klavier notwendig. Also nahm ich Klavierunterricht. Für das anstehende Studium war das Abitur von Nöten. Also anstrengen und aufs Gymnasium. Sollte nun mein Traum wahr werden?

Fehlanzeige. Aus verschieden Gründen, auf die ich hier nicht näher eingehe, wurde nichts daraus. Kein Abitur, kein Studium, keine musikalische Laufbahn. Was nun?

– ausgeträumt –
Um es kurz zu machen – ich landete ganz wo anders. In einem handwerkliches Beruf. Autoelektriker – so hieß das damals. Na wenigstens Autos, das war ja schon mal was.

Nun, ich stellte mich in meinen Lehrlingsjahren nicht gerade geschickt an. Sollte jemand von meinen damaligen Kollegen diesen Beitrag lesen, werden sie mir bestimmt zustimmen.
Aber es gab Menschen, die an das Fünkchen Begabung in mir glaubten und es förderten und mir halfen meinen Weg zu finden und zu gehen. Und so glaube ich, ist doch noch ein ganz brauchbarer Fachmann aus mir geworden.

Aber warum schreibe ich das?

Wenn ich mir die Geschichte von Maria und Josef und dem Jesuskind anschaue muss ich auch immer an die oben erzählte denken.

Unsere Themenreihe in diesem Jahr heißt: „Das war so nicht geplant“

In jedem Beitrag haben wir uns eine Person oder Personengruppe der Weihnachtsgeschichte herausgegriffen, die ihre Pläne grundlegend ändern und auch ihr Leben ganz neu ausrichten musste.

In diesem Zusammenhang musste ich in der Geschichte an Josef denken, der zwar nicht so im Vordergrund steht, aber von dem auch so einiges verlangt wird.
Er und Maria wollen heiraten. Alles ist geplant und die Freude darauf ist sicherlich groß. Da erfährt er, dass seine zukünftige Frau schwanger ist, er aber nicht daran beteiligt ist. Was soll er tun? Planänderung – er will Maria verlassen…

Nun, wir wissen – Gott klärt ihn auf und kann ihn überzeugen bei Maria zu bleiben.
Also alles wieder nach Plan? Mit Nichten. Da fällt es dem Kaiser ein, er müsse jetzt mal sein Volk zählen und schickt damit die junge Familie auf eine lange Reise von ca. 150 km. Wir können uns ausrechnen, wie lange man da zu Fuß unterwegs ist. Dazu ist Maria schwanger. Das passte so gar nicht in ihre Pläne. Als sie dort ankommen, finden sie aber keine Unterkunft – alles ausgebucht. Jeder kann sich vorstellen, was in den beiden vorging. Maria hat Wehen und keiner nimmt sie auf. Nun, wenn wir die Geschichte weiterlesen, wissen wir, dass Gott eingreift und sie doch einen Platz finden. Der ist zwar nicht unbedingt hygienisch, aber warm und das Stroh ist weich. Jesus, Gottes Sohn, kommt zur Welt in einer Umgebung, die bescheidener nicht sein kann. Wenn wir seine Geschichte in der Bibel weiter verfolgen, werden wir nicht im unklaren gelassen. Dieser Lebensstil wird ihn in seinem ganzen Leben auf dieser Erde begleiten wird. Er sagt später selber von sich: „Ich bin nicht gekommen, um für die da zu sein die alles haben und meinen sie brauchen meine Hilfe nicht, sondern für die die bedürftig sind“.

Aber zurück zur Geschichte. Als nun doch noch alles gut überstanden ist, wollen sich die drei auf den Rückweg machen. Doch da kommt die nächste Planänderung. König Herodes hat von den Weisen gehört, dass in Bethlehem ein neuer König geboren sein soll. Er hat Angst um seinen Thron und trachtet diesem Jesus nach dem Leben.

Wieder greift Gott ein und sagt Josef, er muss nach Ägypten fliehen und zwar sofort. Dort soll er so lange bleiben bis der König gestorben ist. Er kann also nicht zurück in seine Heimat, nicht in seine gewohnte Umgebung. Er muss sich also völlig neu orientieren.
Aber Gott ist auch da mit der Familie. Es wird uns zwar nicht ausführlich berichtet, aber er wird ihnen auch in der Fremde ihr Auskommen gesichert haben, denn nach dem Tod von Herodes kehren sie in ihre Heimat zurück.

Josef und seine Familie konnten sich trotz aller Schwierigkeiten auf die Hilfe Gottes verlassen.

Heute bin ich froh, doch einen handwerklichen Beruf erlernt zu haben. Er hat mir nach den anfänglichen Schwierigkeiten viel Freude gemacht und ich konnte so manchem Menschen helfen. Heute sehe ich die Führung und Fügung Gottes in meinem Leben.
In der Situation selbst ist das oft schwer zu erkennen. Und so manche Planänderung, die ich machen musste, verstehe ich bis heute nicht. Aber ich weiß und spüre jeden Tag, dass ich mich auf die Hilfe und Führung Gottes immer verlassen kann. Denn Gott ist immer der Gleiche. Damals zu Josefs Zeiten genauso wie heute in unserer Gegenwart.

So hat die Weihnachtsgeschichte von damals auch uns heute viel zu sagen.
Dieses Ereignis, das Gott seinen Sohn Jesus zu uns Menschen schickt, ist Ausdruck seiner großen Liebe zu jedem von uns – auch zu dir.

Wenn du mehr darüber wissen möchtest – schreib uns!

Besser, als geplant…

Von Christian Mehnert

Hast du schon Pläne für Silvester?
Wohin geht’s denn nächstes Jahr in den Urlaub?
Herr „XYZ“, wo sehen Sie sich in – sagen wir mal – fünf Jahren?
Hattest du Pläne für 2021?

Wie viele davon hast du umsetzen können und wie viele musstest du ändern oder ganz und gar über Bord werfen. 10 von 100? 50/50? Kam alles anders?

Machst du dir, nach den Erfahrungen von 2021, Pläne für 2022?

Wie hatten wir gehofft, dass wir diesen Albtraum hinter uns lassen würden und alles wieder so halbwegs normal wird.
So einen kurzen Moment hatte ich in diesem Jahr in unserem (sehr spontan geplanten) Urlaub in Dänemark.

Natürlich hatte ich eine Menge Vorkehrungen getroffen, da ich die Wiedereinreisebestimmungen, die sich gefühlt täglich änderten, nicht vorhersagen konnte. Immerhin war es die letzte Urlaubswoche und zwei Tage nach unserer Rückkehr müssten wir wieder zur Arbeit. Schon vor Reiseantritt hatte ich einen Test-Termin für die Rückkehr gebucht, falls es eine Reiserückkehrertestpflicht geben sollten.
Beinahe täglich haben wir die aktuellsten Bestimmungen gelesen, um ja keine Änderung oder Verpflichtung zu verpassen. Wir hatten ausreichend Masken und Selbsttests eingepackt…

Und dann…? …Hebt Dänemark alle Corona-Maßnahmen auf, Deutschland schafft die allgemeinen Risikogebiete ab, womit Dänemark auch da raus war. Keine Masken mehr, kein Mindestabstand, keine Personenzahlbeschränkungen in Restaurants und Geschäften. Nichts.
Keine Testpflicht und keine Grenzkontrollen.
Zum ersten mal nach 1 ½ Jahren ein Geschäft ohne Maske betreten fühlte sich beinahe falsch an, dabei sollte es doch normal sein.

Beinahe war ich ein wenig beleidigt, dass meine ganzen Planungen und Vorbereitungen umsonst waren. Dabei war das doch das Beste, was uns hätte passieren können.
Aber ich war so eingeschossen auf meinen Plan, dass ich die viel bessere Variante ausgeblendet hatte und mich sogar ein wenig darüber geärgert habe.

So sind wir Menschen.

Und dann? Etwa ein viertel Jahr später: Dänemark muss seine Lockerungen zurücknehmen. Wiedereinführung von Hygienevorschriften, Masken- und Abstandspflicht.
Auch die Fachleute haben mit ihrem Plan falsch gelegen.

Haben sie das wirklich?
Pläne und daraus resultierende Taten können richtig sein und sich später als falsch, nein, als nicht mehr aktuell herausstellen. Es muss angepasst, variiert, reagiert werden.

War ich wirklich der Meinung, alles perfekt bis zum Ende durchzuplanen und in keinem Punkt etwas ändern zu müssen? Und hier ging es nur um einen einfachen Urlaub von ein paar Tagen.

Um ehrlich zu sein, will ich gar nicht jedes Detail der Zukunft wissen, um mir daraus vielleicht einen aus meiner Sicht perfekten Plan schmieden zu können. Zum einen würde das wahrscheinlich irgendwann extrem langweilig, zum anderen müsste ich aber auch jedes schwere Detail in meine Planung einbeziehen. Ich fürchte, das würde mir den Blick für das Jetzt verstellen. Und es würde mir die Möglichkeit nehmen, dass etwas noch besser werden kann, als ich es mir vorstellen hätte können.

An Weihnachten auf einem Feld bei Bethlehem war eine Gruppe von Hirten, die einfach nur ihren Job machten. Nicht mehr und nicht weniger. Mit Sicherheit hatten sie ihre Routinen und wussten ziemlich genau, wie die Nacht ablaufen würde. Kleinere Störungen durch das eine oder andere Raubtier waren auch schon mit eingeplant. Schlimmstenfalls vielleicht sogar der Verlust eines der Tiere, die sie hüteten.

Aber dann das.

Plötzlich trat ein Engel des Herrn zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie. Die Hirten erschraken sehr, 10 aber der Engel sagte: »Fürchtet euch nicht! Ich verkünde euch eine Botschaft, die das ganze Volk mit großer Freude erfüllen wird: 11 Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren wurde, der versprochene Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr. 12 Und daran werdet ihr ihn erkennen: Das Kind liegt, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe!« 13 Auf einmal waren sie von unzähligen Engeln umgeben, die Gott lobten: 14 »Ehre sei Gott im Himmel! Denn er bringt der Welt Frieden und wendet sich den Menschen in Liebe zu[1].« 15 Nachdem die Engel in den Himmel zurückgekehrt waren, beschlossen die Hirten: »Kommt, wir gehen nach Bethlehem. Wir wollen sehen, was dort geschehen ist und was der Herr uns verkünden ließ.« 16 Sie machten sich sofort auf den Weg und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Futterkrippe lag.

(Die Bibel, Lukasevangelium, Kap. 2, Verse 9-17)

Mit allem (Vorhersehbaren) hatten sie gerechnet, aber nicht von einer Armee von Engeln, die ihnen von der Geburt des verheißenen Christus erzählen. Ob die Hirten die Verheißung kannten, ist nicht klar. Sie sind es aber, die es (nach den Eltern zumindest) zuerst erfahren, als diese alte Verheißung in Erfüllung geht.

Und sie machten sich auf den Weg. Sofort. Aller Vernunft zum Trotz. Nachts mit einer Herde aufbrechen? Oder sie zurücklassen? Kann das nicht warten? Wir müssten ja alles anders machen, als wir es kennen und als wir es geplant hatten. Und wir gehen ein großes Risiko ein. Unser Job steht auf dem Spiel.

Aber was hatte der Engel gesagt? „Für EUCH ist der Retter geboren.“

Wenn wir den Christus annehmen, der in Bethlehem geboren wurde, dann wird das nicht ohne Konsequenzen bleiben. Wir werden Gewohnheiten und Pläne ändern oder gar fallen lassen müssen, um uns auf den Weg zu machen.

Die Hirten fanden alles so vor, wie die Engel es ihnen gesagt hatten.

Das haben sie aber nur herausgefunden, weil sie sich auf den Weg gemacht und ihren Plan für diese eine Nacht geändert haben. Und weil sie den Plan für die Nacht geändert haben, hat sich ihr Leben verändert.

Auch an Weihnachten 2021 hören wir diese Botschaft erneut. Vielleicht nicht von einer Heerschar von Engeln, vielleicht ganz leise. Vielleicht so leise, dass sie durch das Geschrei und das Murren dieser Tage kaum zu hören ist. Aber sie birgt die Möglichkeit, dass sich, wenn schon nicht die Welt um uns herum, aber eventuell unser Blick auf die Welt und unsere Situation verändert – zum Besseren – besser, als wir es uns je hätten vorstellen können.

Für DICH ist der Retter geboren. Kommst du mit, ihn zu suchen?

Weihnachten in der Krise? – TEIL 5 – FACETTEN DES LICHTS

von Johannes Vollmer

Gehen Sie auch in dieser Zeit gerne durch die Straßen und sehen sich die so verschiedenartig dekorierten und beleuchten Fenster an?
Der Lichterglanz, der die Häuser schmückt, fasziniert mich jedes Jahr aufs neue.
Licht brauchen wir Menschen, um leben zu können. Das können besonders die Menschen beurteilen, die nördlich des Polarkreises wohnen. Dort wird es in den Wintermonaten nicht richtig hell.
In dieser Jahreszeit, in der es auch bei uns sehr lange dunkel ist, empfinden wir diese weihnachtliche Beleuchtung als sehr angenehm. Im Jahr 1986 hat der Österreichische Rundfunk (ORF) die „Aktion Friedenslicht“ ins Leben gerufen. Jedes Jahr entzündet ein Kind das Friedenslicht an der Flamme in der Geburtsgrotte Christi in Betlehem. Ab dem 3. Advent wird das Licht in Deutschland verteilt. Dieses Licht wird immer weiter gegeben und wird in Deutschland an über 500 Orten an jeden weitergegeben, der es haben möchte.
In diesem Jahr steht die Aktion unter dem Motto: „Frieden überwindet Grenzen“.
Das Friedenslicht kommt nicht nur nach Deutschland, sondern geht in die ganze Welt und überwindet damit alle Grenzen, die wir Menschen in dieser Welt festgelegt haben. Es geht von dem Ort aus, wo es einst von Gott hingesendet wurde. Der helle Stern von Bethlehem, der schon die Weisen führte und auch den Hirten Orientierung gab, erleuchtet den Stall in dem Gottes Sohn als Mensch geboren wird. Ein Ereignis, dass etwas besondres ist, heilig eben – der „Heilige Abend“ –  Jesus – von Gott zu den Menschen gesandt.

Jesus sagt später selbst von sich (Joh. 8,12) Ich bin das Licht der Welt…

Wir Menschen brauchen Licht auch um uns orientieren zu können, und den Weg zu unserem Ziel zu finden. Nicht umsonst wurden, als es noch keine Navigationsgeräte gab Leuchttürme gebaut, die der Schifffahrt Orientierung gaben. Und wir selbst wollen auch gutes Licht an unseren Fahrzeugen haben, damit wir bei einer Nachtfahrt gut sehen können.

Ich erinnere mich gern an eine Nachtwanderung im Schwarzwald. Unser Vermieter der Ferienwohnung hatte uns dazu eingeladen. Wir waren ca. 15 Leute. Er war der Einzige der sich gut auskannte und ein Licht hatte. Ein Seil hatte er sich umgebunden, welches so lang war, dass wir alle hintereinander her laufen und es anfassen konnten. Obwohl wir uns in diesem Gebiet nicht auskannten, kamen wir alle gut am Ziel an.

Das ist für mich ein Beispiel wie Jesus mit uns umgeht. Wenn er vorangeht und wir ihm folgen, können wir das Ziel nicht verfehlen. Etwas später lesen wir mehr davon.
Aber der Ausdruck des Lichtes hat ja viele Bedeutungen. Wir verbinden ihn in unserer Sprache auch oft mit dem Begriff der Erkenntnis, des Begreifen.

Volkstümlich würden wir sagen: Uns ist ein Licht aufgegangen.

Auch in unserem Empfinden spielen Licht und Dunkelheit eine Rolle. Gerade in der gegenwärtigen Zeit mit all der Ungewissheit wie es weitergeht, mit der Angst um die Existenz oder die Befürchtung nicht gesund zu bleiben. Das würden wir vielleicht mit „dunklen Zeiten“ beschreiben.
Dagegen wenn wir aus diesen Situationen gut herauskommen bzw. Freude oder Erfolg vor uns liegen dann „geht die Sonne auf“ oder wir sehen „Licht am Ende des Tunnels“.
Wenn Jesus in der Bibel davon spricht, dass er das Licht der Welt ist, dann heißt das für uns, dass er uns in unserem Leben Orientierung, Halt und Erkenntnis schenken will.

Schauen wir in die Bibel hinein, so ist sie voll von Hinweisen wie Leben gelingen kann.
Das Leben Jesu, das in den ersten vier Büchern des neuen Testamentes beschrieben wird, macht deutlich, wie wir Menschen miteinander umgehen sollten.
Oder schauen wir in das Buch der Sprüche im alten Testament. Dort sind Lebensweisheiten aufgeschrieben, die bis heute gelten und die wir zum Teil sogar noch verwenden.
Die Bibel kann man auf ganz unterschiedliche Weise lesen. Man kann es oberflächig tun und sie als Geschichtsbuch verwenden. Vieles ist geschichtlich erforscht und durch Ausgrabungen belegt.
Wenn man sie aber gründlicher und intensiver liest, kann sie uns ganz persönlich ansprechen und Licht und Orientierung in unserem Leben sein. Für mich ist sie ein sehr spannendes Buch, das mir immer häufiger ein „Aha – Erlebnis“ gibt, aber auch immer noch Geheimnisse birgt. Das Licht des Heiligen Abends, an das wir uns ja in jedem Jahr wieder erinnern ist nicht am nächsten Morgen erloschen, sondern will bis in unser ganz persönliches Leben hinein leuchten. Uns Orientierung, Halt und Sinn in unserem Leben geben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich immer wieder daran erinnern. Besonders dann, wenn Sie genauso wie ich am Heiligen Abend im Schein der Kerzen zusammen sitzen. 

Gott segne Sie und behüte Sie.

Wenn sie Fragen zu den Themen haben, die wir in dieser Adventszeit bedacht haben oder auch darüber hinaus sind Sie herzlich eingeladen, sich an die auf dieser Seite angegebenen Adressen zu wenden.

Advent in der Krise? – Teil 4 – UND WAS NUN?

Von Marc-Aurel Nerlich

Da stehe ich nun auf dem Parkplatz. Die Wut kocht in mir hoch und ich bin kurz davor, emotional über- zureagieren und eine kleine Bombe bei einem Telefonat hochgehen zu lassen. Was der Grund für dieses Verhalten ist? Eigentlich etwas Banales aber dennoch echt Ärgerliches. Die Ergotherapie-Praxis, bei der ich in Behandlung bin, hat geschlossen und ich wurde nun zum wiederholten Mal nicht davon in Kenntnis gesetzt. Das bedeutet für mich ein effektiver Zeitverlust von einer knappen Stunde. Zeit, die ich gerne besser genutzt hätte.

Kennen Sie das? Das Gefühl enttäuscht zu werden und das vielleicht zum wiederholten Mal? Enttäuschungen begleiten uns unser Leben lang. Auch dieses Weihnachtsfest sorgt in der Bevölkerung für große Enttäuschung, wie wir aus den vorherigen veröffentlichen Texten bereits herauslesen konnten. Aber soll dieses Gefühl wirklich der Grundtenor für das Weihnachtsfest 2020 sein?

Wenn wir uns die biblische Weihnachtsgeschichte anschauen, dann merken wir schnell, dass auch diese mit Enttäuschungen zu tun hat. Klar wird dies an den Magiern aus dem Morgenland. Sie wollen den neugeborenen König (Jesus) sehen. Der Auslöser für ihre monatelange Reise war ein Stern, der bei ihnen zu Hause im Morgenland am Himmel erschienen war. Aufgrund des Erscheinens dieses Sternes deuteten sie, dass in Jerusalem ein neuer König geboren worden ist. Aus diesem Grund machten sie sich auf den Weg und wurden in Jerusalem enttäuscht. Denn es war kein neuer König auf die Welt gekommen. Ratlos und frustriert wollten sie sich schon auf den Rückweg begeben, als sie von den Priestern aus Jerusalem erfuhren, dass es eine jahrhundertealte Prophezeiung gibt, die besagt, dass ein besonderer König, in Betlehem geboren werden soll. Plötzlich wurde aus der Enttäuschung der Magier Hoffnung und sie begaben sich auf den Weg nach Betlehem. Währenddessen erschien ihnen wieder der Stern, den sie in ihrer Heimat aufgehen sehen haben und führte sie zu einem Stall, über den er stehen blieb. Doch da auf einmal, so stelle ich es mir vor, kippte ihre Hoffnung wieder zur Enttäuschung um. „Ein Stall?“ müssen sie sich gefragt haben. „Wie soll sich denn darin jemand Hochgeborenes befinden?“ Verstärkt wurden ihre Zweifel dann auch dadurch, dass sich vor dem Stall Männer aus einer der untersten Schichten der Israeliten befanden, nämlich Hirten. Trotz alledem begibt sich die Gruppe von Männern in den Stall, um…,ja Sie haben es erraten, erneut enttäuscht zu werden. Denn in dem Stall befanden sich neben den Hirten und Tieren nur ein einfaches Bauernpaar mit einem Neugeborenen. Und trotz alledem tun sie das Unglaubliche. Sie fallen vor dem Kind auf die Knie und überreichen ihm Geschenke, die eines Königs würdig sind und ein kleines Vermögen wert waren. Ich frage mich warum? Woher hatten sie plötzlich die Sicherheit, dass dieses Kind wirklich der versprochene König sei? Es muss eine innere Stimme oder ein Überzeugtsein gewesen sein, dass sie glauben ließ.

Wenn ich diese Geschichte betrachte, so ermutigt sie mich. Denn sie zeigt uns unter anderem, wie wir mit diesem vielleicht sehr enttäuschenden Weihnachtsfest umgehen können. Denn auch die Magier wurden in der Geschichte mehrfach enttäuscht. Aber sie nahmen trotz alledem jeden Funken wahr, bzw. an, der nach Hoffnung aussah. Wie schön wäre es, wenn wir es genauso tun könnten. Unseren Blick nicht auf die Verbote und Einschränkungen richten, sondern auf das, was Hoffnung schenkt und Enttäuschung verdrängt. „Doch was soll das sein?“ Wird jetzt der Ein oder Andere fragen. Die Antwort liegt auf der Hand: Jesus! Er ist der ursprüngliche Grund dieses Festes. Sein Geschenk an uns ist das Geschenk des ewigen Lebens, ohne Trauer, Schmerz und Leid. Ein Geschenk, das darauf wartet, ausgepackt zu werden. Doch wie kann ich dieses Geschenk auspacken? 

Ich möchte diese Frage anhand einer Geschichte beantworten: Ein Mann war in eine Grube gefallen und kam nicht mehr heraus. Plötzlich kam ein Börsenspekulant vorbei und sah die Grube. Schnell lief er zu ihr hin und sah, dass dort jemand hineingefallen war. Als der Mann in der Grube den Spekulanten sah, rief er zu ihm: „Können Sie mir bitte aus der Grube heraushelfen?“ Der Banker antwortete: „Ich habe gehört es kommt ein sehr starker Regen auf uns zu. Ich gehe davon aus, dass das Wasser ausreichen wird, um die Grube so weit zu füllen, dass Sie herauskommen.“ Bevor der Mann aus der Grube darauf reagieren konnte, war der Börsenspekulant bereits verschwunden.

Einige Stunden später erschien ein Bergbauarbeiter an dem Loch der Grube. Auch ihn bat der Mann um Hilfe. Der Bergbauarbeiter antwortete: „Sie müssen einen Schacht in die Wand der Grube nach oben graben. Dann kommen Sie bestimmt raus.“ Bevor der Mann in der Grube ihm mitteilen konnte, dass er nichts zum Graben hatte, war der Bergbauarbeiter schon weg.

20 Minuten später rief ein sehr einfach gekleideter Mann in die Grube hinunter: „Darf ich Sie aus der Grube rausholen?“ Ein Ja ertönt von unten. Darauf antwortet der Mann: “Warten Sie noch einen kleinen Moment. Ich hole schnell meine Leiter, komme zu Ihnen hinunter und helfe Ihnen aus der Grube raus.“

Beim Lesen dieser Geschichte wird mir eines klar: Ich bin der Mann in der Grube. Enttäuschungen, Verletzungen, Krankheiten, der Tod und vieles mehr haben mich dort hineingeworfen. Es gibt so viele Situationen, wo ich keinen Ausweg sehe und nicht alleine aus dem Schlamassel herauskomme. Wie froh bin ich in solchen Situationen, dass es dort jemanden gibt, wie der letzte Mann in der Geschichte und mich herausholt. Jesus ist dieser Mann für mich. Er begibt sich in meine ausweglosen Situationen hinein, indem er vor 2000 Jahren auf die Welt kam und bis heute ein Begleiter an meiner Seite sein will. Er hat sogar den Tod für mich überwunden und mich dadurch letztendlich für immer aus der Grube herausgeholt und will mir ein Leben schenken, dass so viel besser ist als dieses hier: Ohne Schmerzen, ohne Leid und Krankheit. Das Einzige was ich tun muss, um dieses Geschenk anzunehmen, ist wie der Mann in der Grube, auf Jesu Angebot mit „Ja“ zu antworten.

Ich bitte Sie, packen Sie dieses Geschenk aus! Das können Sie dadurch tun, indem Sie einen bekannten oder befreundeten Christen fragen, ob er Ihnen mehr von Jesus erzählen kann. Wenn Sie möchten, können Sie mir gern eine Email schreiben oder mich anrufen (Tel. Nr. auf Anfrage per Mail) und ich erzähle Ihnen mehr über das Baby in der Krippe, das die Welt veränderte.

Ich wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen.

Email: Marc-Aurel.Nerlich@adventisten.de

Advent in der Krise? – Teil 3 – Eine unglaubliche Geschichte

von Christian Mehnert

Weihnachten ist jedes Jahr auf’s neue eine besondere Zeit, der ein „Zauber“ innewohnt. Aber was ist es, was die Weihnachtszeit so besonders macht? Ist es die Jahreszeit, in der es früh dunkel wird und in der zum Teil von unglaublichen Lichtinstallationen von dezent bis zum Modell „Rummelplatz 4.0“ alle Abstufungen zu finden sind? Sind es die Weihnachtsmärkte und die geschmückten Geschäfte und Einkaufszentren? Sind es die alten Lieder und Geschichten?

All das spielt sicher mit hinein doch vieles davon ist eben in diesem Jahr nicht möglich. Wir sind gezwungen, uns auf das nötigste zu beschränken. Gerade heute haben wir erfahren, dass noch vor Weihnachten alles nicht wirklich Notwendige „heruntergefahren“ wird.

Wir beginnen uns zu Fragen, was denn das „wirklich Notwendige“ ist. Und jeder wird diese Frage etwas anders beantworten.

Ebenso dürfte es mit der Weihnachtsgeschichte aussehen. Was ist denn das Elementare an der Weihnachtsgeschichte?

Keiner von uns hat das Geschehen von damals live miterlebt. Und selbst die, die es damals gesehen haben, haben es aus ihrer Perspektive und in ihrer Lebenswirklichkeit erlebt. Eines dürften sie aber alle gleichermaßen so gesehen haben: Die Geschichte, die damals in Nazareth und in Bethlehem ihren Anfang nahm, ist schier unglaublich.

Da ist zunächst mal Maria, die Verlobte von Joseph, einem Zimmermann aus Nazareth. Ihr erscheint ein Engel. Nicht irgendein Engel, sondern einer der Erzengel. Gabriel, ein Bote Gottes, der Maria die Geburt Jesu ankündigt. Eine für sie unglaubliche Ankündigung. Sie erschrickt schon über das Erscheinen des Engels (wer würde das nicht), wundert sich über die seltsame Begrüßung („Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit Dir!“) und die Nachricht, die der Engel für sie hat, schlägt dem Fass den Boden aus: „Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben“ (Lukas 1, 31). Es dürfte uns nicht schwerfallen, nachzuvollziehen, dass sie Zweifel hat und berechtigterweise darauf hinweist, dass sie ohne „von einem Mann zu wissen“ nicht schwanger werden kann. Klärt sie den Engel Gabriel auf? Das ist schließlich nicht möglich, nach allem, was sie über das Schwangerwerden weiß und was logisch wäre. Der Engel nimmt sie ernst und erklärt ihr, wie es geschehen soll.
Am Ende nimmt sie die unglaubliche Botschaft an. Aber warum?  
Maria lebt in der Jüdischen Tradition und kennt die Geschichten des alten Testaments, in denen von unglaublichen Dingen und Wundern berichtet wird. Doch darauf nimmt der Engel gar nicht Bezug, sondern er weist sie auf Gottes Wirken in ihrer unmittelbaren Umgebung hin. Elisabeth, eine Verwandte Marias, war mit Ihrem Mann, dem Priester Zacharias, lange kinderlos geblieben. Sie galt als unfruchtbar und beide, Elisabeth und Zacharias, waren auch nicht mehr die Jüngsten. Der Engel berichtet Maria, dass auch diese unfruchtbare Frau schwanger sei. Er war ihrem Mann „auf der Arbeit“, also im Tempel, erschienen und hat ihm Elisabeths Schwangerschaft angekündigt. Auch der erschrak natürlich und auch ihm rief der Engel zu „Fürchte dich nicht, denn dein Gebet ist erhört worden“.
Maria macht sich auf den Weg, um Elisabeth zu besuchen. Warum bricht Maria auf? Vielleicht, um zu prüfen, ob das, was der Engel ihr gesagt hat, wirklich wahr ist? Ich glaube, dass das ein Grund gewesen sein dürfte. Und das ist auch mehr als verständlich. Beide, Maria und Elisabeth hatten etwas erlebt, was unglaublich war. Sie hatten Zweifel und haben sich vergewissern wollen.

Einige Zeit später brachte Maria ihren Sohn in Bethlehem zur Welt. In Bethlehem nicht, weil es dort eine besonders schöne Geburtsklinik befand und sie es sich ausgesucht hatten, dort zu gebären, sondern wegen einer Verordnung, einer Anordnung des Kaisers.

In dieser Gegend waren an diesem Abend Hirten auf dem Feld, die ihre Herde beschützten. Auch ihnen begegnet der Engel und auch sie erschraken und auch ihnen ruft der Engel zu … na, dreimal dürfen wir raten … genau: „Fürchtet euch nicht!“.
Der Engel verkündet ihnen die Geburt „ihres Heilands“. Auch die Hirten waren verstört, verängstigt. Auch von ihnen hatte noch niemand einen Engel gesehen. Und es blieb ja nicht bei nur dem Einen sondern die Bibel berichtet von „Heerscharen“ von Engeln und von hellem Licht und vom Gesang der Engel. Als das „Spektakel“ vorüber war und sie wieder einen klaren Gedanken fassen konnten, gingen die Hirten nicht zum Tagesgeschäft über. Das, was sie gerade erlebt hatten, war unglaublich und sie wollten sich davon überzeugen, dass das tatsächlich so stattgefunden hat. Sie machten sich auf den Weg nach Bethlehem und fanden alles so, wie es ihnen berichtet wurde. Sie waren so überwältigt von dem, was sie erlebt hatten, dass sie auf ihrem weiteren Weg jedem davon erzählten. Sie waren die ersten Pastoren der christlichen Kirche, könnte man sagen (lat. Pastor = Hirte). Pastoren, die im Übrigen schon damals ein Problem hatten, was wir auch heute kennen. Nämlich alle, denen sie davon erzählten, die es aber nicht selbst miterlebt hatten, waren sehr verwundert und hatten so ihre Schwierigkeiten zu glauben, was ihnen die Hirten erzählten. (Lukas 2, 18)

Es gibt noch eine weitere Geschichte im Leben Jesu, oder wohl besser „danach“, die ich noch aufgreifen möchte. Nach der Kreuzigung, dem Tod und der Auferstehung Jesu (schon wieder so eine unglaubliche Geschichte), erscheint Jesus seinen Jüngern, die sich in ihrer Angst und Verzweiflung verbarrikadiert hatten und nicht wussten, wie es weitergehen soll.
Bei dieser Begegnung fehlte aber neben Judas auch noch ein weiterer Jünger. Thomas, der unfairerweise heutzutage häufig der „ungläubige Thomas“ genannt wird. Thomas konnte den Erzählungen seiner Freunde nicht glauben. Er hatte gesehen, wie Jesus gefangen genommen wurde, verurteilt und hingerichtet. Er hat gesehen, wie er begraben wurde. Genau, wie alle anderen Jünger das auch gesehen haben. Und genauso wie der „ungläubige Thomas“ hatten alle anderen Jünger zuerst Angst und zugleich Zweifel. Jesus musste ihnen erst beweisen, dass er es wirklich ist, indem er ihnen seine Wunden der Folter und der Hinrichtung zeigt. „Ich bin es wirklich. Hier, fasst mich an und überzeugt euch selbst“.  (Lukas 24,38-39)
Und obwohl sie gläubige Männer waren, die regelmäßig in die Synagoge gingen und die Bücher der Propheten kannten, musste Jesus sie erst daran erinnern, dass die ganze Geschichte, die sie so verstört hatte, genau so geschehen musste. Ihre ganze theologische Ausbildung hatte ihnen in dieser existenziell herausfordernden Situation nichts genutzt.
Er sagte: „Es steht doch dort geschrieben. Der von Gott erwählte Retter muss leiden und sterben, und er wird am dritten Tag von den Toten auferstehen.“ (Lukas 24,46)
Das alles hatte Thomas nicht miterlebt und er wollte nicht seinen Brüdern glauben, wenn er es nicht selbst sehen würde. Jesus gewährt ihm das. Er nimmt seine Fragen ernst, begegnet ihm persönlich und nimmt ihm seine Zweifel.

Haben Sie auch Zweifel an den Berichten aus der Bibel? Ist das zu unglaublich oder widerspricht gar Ihrer Lebenswirklichkeit oder neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen? Das kann ich verstehen und auch Gott versteht das. Wir leben in einer Zeit und in einer Welt, die für uns voller Widersprüche steckt. Wenn wir auf die Geschichte blicken, und vielleicht besonders auf die Geschichte der Kirchen in dieser Welt, dann kommen uns Zweifel und es fehlt nicht an Argumenten, die Kirchen und „ihre Leute“ in Frage zu stellen.
Ich möchte Sie aber ermutigen, es Maria, den Hirten oder Thomas gleich zu tun. Machen Sie sich auf den Weg. Lassen Sie sich auf die unglaublichen Geschichten ein und unterziehen Sie sie einer „Lebensprüfung“.
Prüfen Sie nicht die Kirche oder die Menschen. Die haben Fehler gemacht und machen auch heute Fehler. Prüfen Sie Gott.
Als Christen glauben wir an Gott, der uns bis ins letzte Detail kennt. Und so kennt er auch unsere Vorbehalte, unsere Nöte, unsere Zweifel, von denen übrigens auch ein langjähriger Christ genauso wenig frei ist, wie jemand, der Gott vielleicht noch gar nicht kennt. Und in diesen Tagen, in denen wir mit Hadern und Zweifeln das Geschehen in dieser Welt beobachten, wir uns fragen: „Gott wo bist du?“, da nimmt Er uns ernst, ruft uns zu „Fürchtet euch nicht!“ und lässt sich darauf ein, dass wir ihn prüfen und hinterfragen, wenn wir es ehrlich meinen. „Wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, dann will ich mich von euch finden lassen…“ (Jer. 29, 13-14).

Wenn Sie die hier erwähnten Begebenheiten nachlesen möchten, dann können Sie das im Lukas-Evangelium tun.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete dritte Adventswoche.

Bleiben Sie gesund!

Gott befohlen!

Advent in der Krise? – Teil 1 – BLACK FRIDAY

von Christian Mehnert

Am letzten Freitag war es mal wieder soweit.

Lange haben viele Menschen darauf gewartet. Einige haben es kaum ausgehalten, regelrecht darauf hin gefiebert. Und ich muss zugeben, ich hab mich vor einiger Zeit auch mal nicht zurückhalten können.

Ich rede vom Black Friday.

Wenn man BLACK FRIDAY einfach mal bei Google eingibt, dann findet man sofort alles zu Sonderangeboten und Schnäppchenpreisen. Allen voran sind es die großen Versandhändler, die massiv ihre Marktmacht nutzen, um Preise für einen vorübergehenden Zeitraum teilweise massiv zu senken und unglaubliche Summen in kürzester Zeit umzusetzen. Ich möchte gar nicht groß darauf eingehen, ob und wieviel man als Kunde dabei wirklich spart oder ob wir uns nicht gerade erst dadurch dazu hinreißen lassen haben, Geld auszugeben für Dinge, die wir gar nicht brauchen oder uns unter anderen Umständen nicht gekauft hätten. Und auch nicht, dass es vielleicht gerade solche Preiskampfaktionen sind, die Mitschuld daran tragen, dass der Einzelhändler, die von der Coronakrise stark betroffen sind, keine ausreichenden Rücklagen bilden konnten, weil sie immer wieder vor der Wahl stehen, den Wahnsinn mitzumachen oder gar nicht zu verkaufen.

Ein Umstand macht diesen gerade vergangenen Black Friday noch attraktiver: Er hat genau vor dem ersten Advent stattgefunden. Und zwar nicht vor irgendeinem ersten Advent. Sondern dem ersten Advent 2020. Für viele ein katastrophales Jahr. Für alle ein spezielles Jahr. Und für nicht wenige ihr letztes Jahr.

Wo kommt er denn eigentlich her, der Black Friday. Das ist sicher keine Erfindung von Amazon, Alibaba und Co. 

Er hat seinen Ursprung schon in der Antike, in der schlechte Tage als „dies ater“ bezeichnet wurden, was „schwarzer Tag“ bedeutet. 

Heute ist uns dieser Begriff, wenn wir etwas darüber nachdenken, nicht nur vom gemeinschaftlichen Kaufrausch bekannt, sondern hat irgendwas mit dem Finanzmarkt zu tun.

Der Große Crash der US Börse 1929 ging bei uns als DER schwarze Freitag in die Geschichte ein, obwohl er doch eigentlich ein Schwarzer Donnerstag war, durch die Zeitverschiebung hier bei uns aber am Freitag stattfand. Und er wurde gefolgt vom Tragic Tuesday, an dem es noch weiter nach unten ging bis zum Tiefstpunkt.

Es gab Black Fridays davor und auch danach, wie z.B. 2008. Die letzte richtig große Finanzkrise, heraufbeschworen durch Gier und Maßlosigkeit und letztendlich ausgelöst durch die Pleite der Bank. 

Tausende haben in diesen Krisen alles verloren, von dem sie dachten, dass es wichtig ist und dass es sie ausmacht. Ihr Leben, so, wie sie es kannten, hatte binnen Stunden aufgehört zu existieren. Aufgebaute Vermögen waren schlagartig nichts mehr wert. Bis dato reiche Bänker standen vor den Scherben ihrer Arbeit und ihrer Karriere. Sie hatten bis zu diesem Tag zu hunderten und tausenden Immobilien ge- und verkauft um Profit damit zu machen und waren auf einmal selbst mittellos und konnten sich teilweise ihr eigenes zu Hause nicht mehr leisten. Viele haben das nicht überwunden und sind zum teil sofort andere erst kurze Zeit später in den Freitod gegangen.

Was bleibt, wenn das, was unser Leben ausmacht plötzlich wegbricht? Was ist die Essenz unseres Lebens, wenn das drumherum plötzlich einfach nicht mehr ist?

Viele sind in diesem Jahr zum Teil sehr schmerzhaft, geradezu brutal mit dieser Frage konfrontiert worden.

Aber auch da, wo nicht der Tod direkt eine Lücke gerissen hat, es „nur“ um das wirtschaftliche Überleben geht, weil durch Maßnahmen zum Schutz Aller, Einzelnen der Raum genommen wurde, der sie selbst geschützt hat, ihnen ihr Auskommen gesichert hat, da ist es nachvollziehbar, dass an so mancher Stelle nach Sinn und Maß gefragt wird. Auch dann, wenn man grundsätzlich hinter den ergriffenen Maßnahmen steht.

Gerade erst in dieser Woche wurden noch einmal Maßnahmen stellenweise verschärft, mit dem Ziel, uns wenigstens an Weihnachten etwas mehr (ist vielleicht schon fast zu viel gesagt), oder ein klein wenig Freiheit und Gemeinschaft mit der Familie zu erlauben. Das scheint es ja zu sein, was Weihnachten für uns ausmacht. Zeit mit Freunden und Familie. Besinnliche Stimmung auf Weihnachtsfeiern und -märkten. Glühwein und Schmalzkuchen. Tannen- und Räucherduft. Gemeinsames Weihnachtsliedersingen und nicht zuletzt auch das traditionelle Krippenspiel im Gottesdienst am heiligen Abend in vollen Kirchen.

All das, oder zumindest vieles davon wird in diesem Jahr nicht möglich sein.

Was bleibt übrig von Advent und Weihnachten, wenn uns das meiste von dem nicht möglich ist, von dem wir dachten, dass das Weihnachten ist? Es scheint, als wären für dieses „Fest religiösen Ursprungs“ nicht einmal Gottesdienste elementar wichtig. Und das stimmt sogar. Gott will nicht, dass wir unser Leben mit ihm an den Rahmen einer Veranstaltung oder ein Kirchengebäude binden. Er möchte eine persönliche Beziehung in jeder Situation, ungeachtet der äußeren Umstände. Dann, wenn es uns richtig gut geht und auch dann, wenn wir mies drauf sind. Dann, wenn wir wirtschaftlich erfolgreich sind oder wenn wir am Boden liegen und nicht weiter wissen. Dann, wenn wir im Kreis meiner Lieben feiern können und auch dann, wenn uns Krankheit und Tod unser liebstes genommen haben.

Ein amerikanischer Investmentbanker, der nach dem Börsencrash vor dem Nichts stand, kein Geld mehr hatte, seine Arbeit, seine Wohnung und auch noch seine Familie verloren hatte, fand in dieser Zeit seinen Glauben an Christus zurück. Und er stellte fest: „Manchmal merken wir erst, dass Jesus alles ist, was wir brauchen, wenn Jesus alles ist, was wir haben.“ 
Sein Leben, sein Reichtum hatten ihm den Blick verstellt, für das, worauf es ankommt. Bis ihm die Augen schmerzhaft geöffnet wurden.

Man wünscht natürlich niemandem, dass er erst ganz tief fallen muss, um zu erkennen, was wirklich elementar wichtig ist. 
Wir möchten Ihnen deshalb in den nächsten Wochen immer an den Adventwochenenden einige Gedanken mit auf den Weg durch die vor uns liegende Advents- und Weihnachtszeit geben und versuchen, mit Ihnen das „Konzentrat“ von Weihnachten vielleicht zum ersten mal, vielleicht auch ganz neu wiederzuentdecken.

Christus wird Mensch. Nicht trotz unserer Krisen sondern eben gerade für die Zeit der Krise und als Weg aus der Krise.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete erste Adventswoche und würde mich freuen, wenn Sie nächste Woche (natürlich gern auch öfter) wieder auf unserer Seite vorbeischauen. 

Alles Gute!
Gott befohlen!